Abschlussbericht Umzug (mit Hindernissen)

Umzug Zürich-Graz 25.November 2014 - dietrichUmzugsfirmen gibt es online wie Sand am Meer. Wir haben viele Offerten eingeholt und verglichen. Unsere Auswahl stellte sich dann allerdings als wenig grandios heraus. Welche anderen Unternehmen besser gewesen wären wissen wir nicht. Unsere wichtigste Lektion war allerdings:

Don’t pay the ferryman … until he gets you to the other side.
(Chris de Burgh )

Warnsignal für uns war jeweils, wenn sich Zahlungsmodalitäten plötzlich verändern sollten (übrigens auch bei anderen Firmen, über den Umzug hinaus). Dabei immer im Auge behalten: das Unternehmen hat vielleicht 1000 Gründe, vorab Geld zu verlangen, wir nur einen einzigen, nicht vorab zu zahlen, aber der toppt alles: unser gesamtes Hab und Gut ist in ihrem LKW.

Fazit: immer andere Unternehmen in Evidenz halten, sodass bei fragwürdigen Vorgehensweisen der Auftrag noch an jemand anders vergeben werden kann.

403 Forbidden - dietrich
Die Website gibt es nicht mehr

Und jetzt ein kurzer Protokoll zum Ablauf des Umzugs – in anderen Worten “Chronik eines Betrugs“. Die “Firma”, über die wir berichten, gibt es heute nicht mehr – oder aber unter anderem Namen. Namen sind nicht “von der Redation geändert”, da wir davon ausgehen, dass die beteiligten Personen dies bereits selber im Vorfeld getan haben.

Umzug Zürich-Graz 25.November 2014
Die E-Mail-Signatur – nicht gerade professionell, aber professioneller als anderes…
  • 12.09.2014 Kontaktaufnahme mit 10 verschiedenen Umzugsfirmen, inkl. detaillierter Inventarliste, Fotos und Grössenangaben zu Kartons, Möbeln und Co., sowie konkreten Termin- und Streckenangaben. Es folgen 6 konkrete Offerten, welche wir mit Website-Analyse, Telefonanfragen und Mail-Kontakt hinsichtlich Firmenseriosität, AGB, Referenzen, Erfahrung mit Auslandsumzügen, Grösse des LKWs, Teams, Versicherungssumme, Voraussetzungen für die Zollabwicklun etc. abgeklärt haben. Das Unternehmen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bleibt zuerst ein anderes, das dann aber plötzlich meint, aufgrund unseres (unveränderten) Inventars, welches sie wohl nicht genau angesehen haben, mehr verlangen zu müssen. Wir entscheiden uns für den Zweitbesten: Dietrich Umzüge. Andere Unternehmen sind im Auftritt teils hochgradig seriös (anders als die E-Mail-Signatur von Dietrich beispielsweise), kosten jedoch auch das doppelte. Und wieder andere kosten das doppelte ohne dabei professioneller zu wirken. Der Kontakt schien jedoch zu diesem Zeitpunkt in Ordnung zu sein.
  • 03.11.2014 Plötzlich verlangt Dietrich einen Anzahlung. Dies war explizit in den AGB für Auslandsumzüge ebenso wie im Inland nicht vorgesehen, die gleichen Bedingungen gälten hier: Zahlung nach Abschluss des Umzugs in bar. Nach einem sehr irritierten Nachhaken unsererseits einigen wir uns auf einen symbolischen Betrag, den wir umgehend überweisen. Nach einer Woche ruft Dietrich an und fragt nach, weil der Betrag nicht angekommen sei. Erst nach einigem Hin und Her und Senden einer Bankbestätigung ist der Zahlungseingang plötzlich da… Erste Zweifel kommen auf.
  • 24.11.2014 Mehrmals, zuletzt am Vortag, rufen wir an, ob der Termin am 25.11. um 8 Uhr morgens sicher klappen würde, da wir die Reinigung der Wohnung für die Übergabe koordinieren müssen. 100prozentig könne man uns das garantieren, ist die Auskunft, der LKW stehe morgen um 8 Uhr vor unserer Türe.
  • 25.11.2014 Um 8 Uhr wird eine Verspätung angekündigt, man stehe im Stau. 10 Uhr ist der Umzugswagen endlich da. Statt wie vereinbart aus drei, besteht das Umzugsteam nur aus zwei Männern. Der LKW selbst ist nicht gerade das neueste Modell. Neue geschätzte Ankunftszeit in Graz ist um Mitternacht, meint das Umzugs-Team. Das war allerdings bevor festgestellt wird, dass es keine Chance gibt, das gesamte Inventar tatsächlich in den LKW zu bekommen. Statt wie vereinbart die Kleinmöbel am Stück anstatt zerlegt zu transportieren, müssen wir in letzter Minute noch alles zerlegen. Trotzdem bleiben sowohl Keller- wie auch Terrasseninventar zurück. Dies, obwohl wir sogar noch mehrere Möbel an unsere Nachmieter übergeben konnten, die Inventarliste sich also verkleinert hatte. Und allen Unannehmlichkeiten zum Trotz werden wir aufgefordert, den Restbetrag für den Umzug bereits im Vorfeld zu zahlen. Wir lehnen ab und können zumindest auf die Hälfte herunter handeln. Mit dem halben Betrag ist dann schliesslich Abfahrt um ca. 16 Uhr. Die beiden Männer, die bereits die letzte Nacht durch gefahren sind, sind völlig übermüdet. Nun soll es noch zurück gehen… (Später hören wir, dass der Umzug nie innerhalb eines Tages hätte abgewickelt werden können. Es wäre ja dumm von uns, das zu glauben. Dabei hatten wir ungefähr 15 mal ungläubig telefonisch rückgefragt, sind ja selbst die Strecke oft genug gefahren um kritisch nachzufragen. Andererseits, dachten wir uns, wickeln wir ja auch nicht “wöchentlich Umzüge in die Schweiz ab“, was damals die Antwort von Dietrich war…)

  • Am gleichen Tag, abends: Jetzt wird es kompliziert. Nach diesem organisatorischen Fiasko versuchen wir telefonisch Lösungen zu finden, wie es nun weitergehen soll. Anstatt Reklamationsmanagement ist Angriff die Devise diese “Unternehmens”: man verlangt von uns, Mehrkosten für einen zweiten LKW zu übernehmen, wobei keine zeitlich passende Lösung in Aussicht ist. Auch werden jetzt die Unternehmensstrukturen nebulös: Frau K., die Sachbearbeiterin, mit der wir laufend in Kontakt waren, verweist uns an Herrn Ü., den “Chef”. Wir fragen nach, ob nicht Herr B. der Chef wäre, den sie in früheren Telefonaten als solchen vorgestellt hatte. Dieser ist jetzt nur mehr “Kundenzuständiger”, wie er uns belehrt: “Wissen Sie, in einem Unternehmen ist das so…” Herr Ü. dagegen sei der Geschäftsführer. Herr Ü. meldet sich telefonisch ohne Namen, wie es bei allem Ansprechpartner/innen bei Dietrich während aller Telefonate üblich war. Auf die Frage: “Bin ich richtig bei Ihnen, Herr Ü. von Dietrich?”, verneint er und ich beendet irritiert das Gespräch: “Verzeihung, verwählt…” Neuerliche Nachfrage bei Frau K. veranlasst sie, meinen Anruf bei Herrn Ü. anzukündigen. Auf einmal gehört Herr Ü. doch zu Dietrich… Später am gleichen Tag aber ist er nur mehr Subunternehmer. Wer jetzt bei Dietrich tatsächlich welche Funktion hat ist nicht mehr zu eruieren – alle weisen sich gegenseitig die Führungsfunktion zu (selten werden Mangement-Positionen so leicht vergeben). Und überhaupt sei Dietrich eigentlich Perfekta Umzüge, und die AGBs der Website wären auch soeben verändert worden. Take care…
  • 26.11.2014 Nach einer schlaflosen Nacht, in der wir nicht mehr sicher sind, ob wir unser Eigentum noch einmal wieder sehen (berechtigt, wie wir später feststellen), kommen die Männer um 8:30 am nächsten Tag an. Am Zoll sei alles gut gegangen, wie sie erleichtert erzählen, die Anweisungen von ihrem Chef hätten geklappt, sie hätten so etwas zum ersten Mal gemacht… Nur kann mit dem Ausladen nicht begonnen werden, weil plötzlich auch noch der Restbetrag vor der Entladung gezahlt werden soll. Nach Telefonaten mit Polizei und Anwalt und Ausharren in Patt-Situation wird irgendwann doch noch der halbe LKW entladen, dann die Hälfte des ausstehenden Betrags gezahlt. Wieder Diskussion und Verhandeln. Aber endlich, nachem wir standhaft bleiben, am späten Vormittag, laden die Männer den Rest aus. Letzten Endes weigern wir uns, den vollen Betrag zu zahlen, der Umzug ist ja noch nicht abgeschlossen. Insofern sind wir mit dem Schreck, ein paar “emotionalen Kratzern“, und einem hart erkämpften fairen Preis davongekommen. Der aufgebrachte Zügelmann dazu: “So etwas mache ich nie wieder! Die Polizei hätte gar nichts machen können! Die hätten maximal eine Verwarnung ausgesprochen!“ Scheinbar hat “Dietrich” Erfahrung mit dieser Vorgehensweise. Noch ein Zitat aus dem Telefonat mit Herr Ü.: “Die von Dietrich haben mir eh gesagt, ich soll das Geld nehmen und mit den Sachen über die Grenze fahren.“ Ohne Worte…

Wie erwartet hören wir nichts mehr von Dietrich. Alternative Lösungen zum Abschluss des Umzugs gibt es nicht. Wir müssen innerhalb weniger Stunden selbst aus dem Stand organisieren, dass Keller und Terrasse unserer Wohnung leer geräumt werden, und Abstellplatz bei unseren hilfsbereiten Nachbarn in Anspruch nehmen, um die Wohnungsübergabe noch irgendwie regeln zu können. Im Januar haben wir dann einen Anhänger organisieren können um selbst die restlichen Sachen aus der Schweiz zu holen.

Ein Horror-Kapitel abgeschlossen. Wir ersparen uns das Fazit in Sachen Weiterempfehlung. Ist ja gar nicht möglich leider, da die Website ins Leere führt.

Spannend, selbst zu erleben, was von Dritten oft berichtet wird. In Zukunft bevorzugen wir allerdings wieder, von Erzählungen zu lernen als aus eigenen Erfahrungen 😉

Siehe auch Die ersten drei Tage im Haus

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