Grundriss in 4D – so fühlt sich die Planung an

Gressl13 EG Neu_Edition_2013_04_Classic_170_3_A_CH_DGressl13 OG Neu_Edition_2013_04_Classic_170_3_A_CH_DVon der Theorie zur Praxis – wie bewährt sich unsere Planung im Alltag, wie lebt es sich in den 4, 5, 6, 7… Wänden, die wir aufs Papier gezeichnet haben?

Erste Kommentare – Stand April 2015, nach knapp 5 Monaten im Haus. Diesen Artikel werden wir vermutlich im Lauf der Zeit noch einige Male ergänzen und/oder anpassen. 

Die offene Treppe

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  • Der meistdiskutierte Punkt an unserem Grundriss. Hier haben viele nachgefragt, ob wir uns da sicher sind, denn das heisst auch: Geräuschübertragung 1:1. Das kennen wir aus unserer Wohnung. Findet unten eine Party statt, hat man Gäste, oder will man abends einen Actionfilm schauen während die Kinder schlafen sollen, ist das nicht gerade optimal. Unsere Kinder sind es gewohnt und entsprechend wenig geräuschempfindlich. Aber eventuell verändert sich das auch mit der Zeit, bzw. irgendwann hätten wir es gerne ruhig und unsere Kinder nicht?
  • Aktuell überwiegend für uns jedenfalls die Vorteile und das grossartige Raumgefühl. Babyphone brauchen wir keines im Haus, und unsere “Balltreppe“ ist zentraler Bestandteil vieler Rituale: von dort winken unsre Kinder zum Verabschieden und Begrüssen vor und nach dem Schlafen, beobachten durch die Treppenstufen hindurch das Geschehen in der Küche, und nutzen den Raum als erweiterten Wohnraum und zweite Spielebene. Eine große Bereicherung! Natürlich verlieren wir so auch faktisch in der Wohnfläche keine Quadratmeter an das Treppenhaus.
  • Ein wichtiger Punkt ist noch die Temperaturübertragung. Es ist immer ein paar Grad wärmer, wenn man die Treppe hinauf kommt. Lüftet man oben, so wird es im Wohnzimmer sofort kalt. In den ersten Tagen waren wir nicht sicher, wie glücklich wir mit diesen physikalischen Merkmalen waren.nun wissen wir es zu nutzen: wir öffnen im OG alle Fenster, und es ist in wenigen Minuten das ganze Haus gelüftet – vom Keller bis zum Dach. Die Wärme im Wohnzimmer ist innerhalb weniger Minuten wieder da (auch bei Minusgraden). Und während die warme Luft sich im oberen Stock sammelt, bleiben Schlafzimmer im OG bei geschlossener Türe doch absolut kühl, die Temperatur hält sich also im Luftraum.
    Es fehlt uns jetzt noch das Sommerfeeling zum Vergleich.
  • Bezüglich der offenen Kellertreppe machen wir uns anfangs mehr Sorgen, was die Temperatur im Haus angeht. In der Praxis ist diese allerdings (anders als die Treppe ins OG) überhaupt kein Thema. Mit jeder Stufe nach unten wird es kühler, nach oben immer wärmer, genau so wie es sein soll. Warme Luft fällt niemals hinunter und kalte Luft steigt niemals auf, hat uns Mag. Lienhart mehrmals auf skeptische Nachfrage erinnert. Wenn jetzt die Schlafzimmer im EG wären und der Wohnraum oben wäre es für die Temperaturverteilung im Haus optimal – nur leider nicht für die Wohnsituation und die Wege durch das Haus im Alltag. P.S. die Geräuschübertragung ist hier ein Vorteil: Musik im Wohnzimmer hört man einwandfrei sich in unsrem “Atelier“ und schlafen will unten ja niemand…

Fenster, Glas und Licht

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  • Den Glashauseffekt merkt man gehörig! An jedem sonnigen Tag, auch im tiefsten Winter, steigt die Temperatur im Wohnraum innerhalb einer viertel Stunde um ein paar Grad an. Heizung überflüssig. Wie gut die Beschattung im Sommer klappt müssen wir erst heraus finden.
  • Das Dachflächenfenster hielten wir ja für einen genialen Schachzug: direkt über der Badewanne wollten wir hier den Sternenhimmel beobachten. Dieser Plan ging leider nicht auf, ausser der Spiegelung von unserem Schaumbad sehen wir da nicht viel, haben wir festgestellt 😉 Dafür klappt das Lüften hervorragend! Wenige Minuten offen ist die Luft völlig ausgetauscht. Gespannt sind wir auch da noch auf die Beschattung im Sommer. Das Fenster liegt nordseitig und wir hoffen, dass das ausreicht. Hier war nämlich nur eine Markise möglich, und von der versprechen wir uns hinsichtlich Temperaturregulierung nicht so viel…
  • Durch einen Lichtschacht profitieren wir auch ausserhalb des Badezimmers, im Treppenraum, vom Lichteinfall durch das Dachflächenfenster – ein Effekt, den wir jeden Tag zu schätzen wissen.

Der Wellness-Bereich

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  • Unser persönliches Highlight, ein langgehegter Wunschtraum und die Everday Erhol-Oase: sie hat uns ganz schön viel Tüftelei und Kopfzerbrechen gekostet bei der Planung. Herausforderung: wir wollten den Sauna-Bereich von zwei Seiten zugänglich machen, vom Eltern-Schlafzimmer sowie vom Gang aus, sodass Gäste nicht durch unser Schlafzimmer müssen, wenn wir gemeinsam in die Sauna gehen, oder eines Tages vielleicht die Kinder selbst in die Sauna gehen, während wir bereits früh ins Bett flüchten 😉 Mit viel Drehen und Wenden rund um die Treppe haben wir es geschafft. Und das bewährt sich grossartig!
  • Ausserdem heisst das: durch das ganze OG können wir jetzt einmal im Kreis gehen und jeweils den kürzesten Weg nehmen.
  • Dabei haben wir noch einen Flexibilitäts-Faktor integrieren können: der Raum ist gross genug und so aufgeteilt, dass man jederzeit noch eine Wand einziehen könnte, die Sauna beispielweise im Keller aufbauen und so noch einen zusätzlichen Raum erhalten könnte. Das Badezimmer wäre noch immer grosszügig und an das Eltern-Schlafzimmer angegliedert, das zusätzliche Zimmer perfekt gelegen neben dem zweiten Badezimmer. Damit halten wir uns alle Möglichkeiten offen, was die Kinderzimmer-Aufteilung angeht.

Asymmetrie

  • Viele Winkel kennzeichnen unseren Grundriss. Das ist wohl absolute Geschmackssache. We love it. Wir mögen die Nischen und Ecken, hat etwas Gemütliches. Und finden die Varianten toll, die diese Winkel zum Aufstellen der Möbel bieten. Es entsteht immer ein völlig neues Raumgefühl, sobald man Kleinigkeiten umstellt. Und da wir ausser der Küche keinerlei Einbaumöbel besitzen kommt uns das sehr entgegen.

Galerie und Schlafzimmer in einem

  • Ein zweites geniales Element unseres Grundrisses für unseren Bedarf ist die Anlage für den dritten Giebel im OG: hier haben wir durch eine Doppeltür auch eine Doppelnutzung ermöglicht. Solange bzw. sobald wir diesen Raum nicht als Schlafzimmer benötigen, stehen beide Türen offen und wir erhalten eine lichtdurchflutete Galerie – jederzeit veränderbar zum geschlossenen Raum: für spontane Gäste, als zweites Kinderzimmer, Atelier… Und wenn die Kinder irgendwann aus dem Haus sind müssen wir keine Wand herausreissen um diesen Raum zurückzuerhalten.

Entrée ohne Windfang

  • Der Eingangsbereich ist bei uns nicht durch eine Tür vom Wohnbereich getrennt. Da wurden wir gewarnt, würde es im Winter viel Temperaturverlust geben, wäre es bestimmt zugig und ausserdem einfach irgendwie ungemütlich. Für uns erledigt die offene Tür einen Teil des täglichen Lüftens (keinerlei Temerpaturgefälle spürbar, die Tür ist ja auch nur einen kurzen Moment offen), und wir sind froh über jeden Handgriff, den wir nicht tun müssen bei unseren Alltagshandlungen. Eine Tür weniger erleichtert das Hereintragen der Einkäufe, das Hinaustragen der durch den Schneeanzug bewegungsunfähigen Kinder und und und 😉

Offener Wohnraum – Ein Wohntraum

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  • Die drei Giebel ermöglichen trotz des Open Space-Konzepts von Griffner, verschiedene Wohnbereiche (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer) räumlich auszuteilen. Resultat: alles im Überblick, die ganze Familie zusammen auch wenn der letzte kleine Geniesser sich das Dessert noch auf der Zunge zergehen lassen muss während die Schnellste schon in der Bilderbuchecke eine Gutenachtgeschichte liest, und Mama und Papa die Küche sauber machen.
  • Wir lieben es zu kochen. Aber alleine in der Küche stehen auf der eigenen Party, während die Gäste sich draussen bestens unterhalten? Da würden wir wohl weniger genussvoll zubereiten. Über die Theke hinweg haben wir den erwünschten Sichtschutz (das kreative Chaos muss ja nicht jeder sehen) und zugleich immer Blickkontakt (den Charme von Koch und Köchin soll sich ja dann auch niemand entgehen lassen).
  • Essen im Freien – so fühlt es sich an, wenn wir an unserem Tisch sitzen. Durch den rundum verglasten Giebel treiben die Schneeflocken um uns herum, oder die Sonne scheint uns direkt ins Gesicht, während wir essen. Wie Picknicken – nur mit mehr Luxus. Obwohl es bei uns mindestens gleich viel Plastik-Geschirr gibt am Tisch 😉
  • Das Wohnzimmer ist leicht nach hinten versetzt, sodass hier ein Rückzugsort entsteht, bei dem man doch mitten im Geschehen ist – und in Hörweite, sodass man im Fall des Falles noch schnell eine Bestellung in Richtung Küche oder Kühlschrank aufgeben kann 😉

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